Was ist Hand in Hand Parenting?
Hand in Hand Parenting ist mehr als nur ein Erziehungsansatz – es ist eine warmherzige Gemeinschaft. Ein sicherer Ort, an dem du dich über die Hürden im Familienalltag austauschen kannst und verstanden wirst. Der Ansatz basiert ganz auf Empathie und Verbindung - sowohl zu deinem Kind als auch zu dir selbst.
Du erhältst hier praktische Werkzeuge an die Hand, die einfach zu verstehen und im Alltag leicht anzuwenden sind. Diese Werkzeuge können eine wunderbare Veränderung bewirken, selbst wenn herkömmliche Erziehungsratschläge bei euch bisher nicht geholfen haben!
Wie funktioniert der Ansatz?
Hand in Hand Parenting ist ein Ansatz, der vollkommen auf Verbindung aufbaut und stark von den Erkenntnissen der Gehirnforschung geprägt ist. Ein gefühlter Verbindungsabbruch versetzt ein Kind in grosse innere Unruhe.
Wenn das passiert, zeigen Kinder uns ihre Not und ihre Bedürfnisse durch Weinen, Wutausbrüche, Jammern oder herausforderndes Verhalten. Klassische Strafen wie Time-outs, das Drohen mit Konsequenzen oder auch Bestechung verstärken dieses Gefühl der Trennung bei den Kindern noch weiter. Das führt dazu, dass das Verhalten bestehen bleibt oder sich sogar verschärft.
Die Werkzeuge von Hand in Hand Parenting setzen genau hier an: Sie helfen uns, die Verbindung zum Kind wiederherzustellen, um so die wahre Ursache des Verhaltens zu lösen. Wir reagieren unterstützend statt strafend und helfen dem Kind, sein Nervensystem wieder zu regulieren.
Einem Kind in seiner emotionalen Not einfach nur tief zuzuhören, schenkt ihm ein unglaubliches Gefühl von Sicherheit und Verbundenheit. Es gibt wohl keinen heilsameren Weg, Kinder durch ihre emotionalen Situationen zu begleiten.
Diese Art der Erziehung erfordert jedoch viele innere Ressourcen von uns Erwachsenen
– auch wenn sie sich zutiefst lohnt.
Genau deshalb lege ich einen so grossen Wert auf die emotionale Unterstützung der Eltern:
Ich weiss, wie schwer es ist, Vertrauen und Nähe zu deinen Kindern aufzubauen, wenn du dich selbst gestresst, allein und überfordert fühlst.
In meinen Kursen gebe ich Eltern genau die Werkzeuge an die Hand, die sie für ihren Familienalltag brauchen.
Vor allem aber biete ich ihnen einen Raum, in dem ihnen wirklich zugehört wird.
Denn nur wenn wir Eltern uns gehört und getragen fühlen, können wir in den Momenten, in denen unsere Kinder unsere Unterstützung am dringendsten brauchen, ruhig bleiben.
Darüber hinaus unterstütze ich Eltern dabei, ein Netz aus fürsorglichen und stärkenden Beziehungen zueinander aufzubauen.
Das verringert nicht nur das oft drückende Gefühl der Isolation.
Wenn wir uns von Gleichgesinnten verstanden fühlen, fällt es uns auch viel leichter, unseren Kindern mit tiefem Verständnis zu begegnen und ihnen klare, aber liebevolle Grenzen zu setzen.
Die Erfahrung zeigt immer wieder:
Echtes Zuhören, Respekt und Wärme haben eine tiefgreifend positive Wirkung
– auf uns Eltern genauso wie auf unsere Kinder.
Was für ein Erziehungsstil ist Hand in Hand Parenting?
Hand in Hand Parenting zählt zu den autoritativen Erziehungsstilen.
Es ist ein Ansatz, der zutiefst warmherzig und wohlwollend ist und die kindliche Entwicklung liebevoll fördert. Wenn wir Eltern diese emotionale Wärme mit klaren Werten und Erwartungen verbinden, entwickeln unsere Kinder mit der Zeit ein wunderbares eigenes Urteilsvermögen – ganz ohne Strafen, Drohungen oder Angst.
Kinder, die mit den fünf Werkzeugen von Hand in Hand Parenting ins Leben begleitet werden, wachsen zu emotional gesunden, resilienten Persönlichkeiten heran.
Und das Wichtigste:
Sie behalten eine tiefe und vertrauensvolle Bindung zu ihren Eltern bei.
Die Geschichte hinter Hand in Hand Parenting
Ins Leben gerufen wurde dieser wunderbare Erziehungsansatz von Patty Wipfler.
Er ist das gebündelte Ergebnis aus über vier Jahrzehnten Erfahrung in der Arbeit mit Eltern und Betreuungspersonen.
Heute ist Hand in Hand Parenting eine weltweite Non-Profit-Organisation.
Zertifizierte Instruktorinnen und Instruktoren – so wie ich – sind speziell in diesem Ansatz geschult und begleiten Familien rund um den Globus auf ihrem Weg zu einem friedlicheren Miteinander.
Mehr über Hand in Hand Parenting erfährst du auf der offiziellen (englischsprachigen) Website:
In welchen Situationen hilft Hand in Hand Parenting?
Unsere Werkzeuge werden täglich von Eltern genutzt, um schwierige Momente aufzulösen und ihre Kinder bei folgenden Themen liebevoll zu begleiten:
Aggressionen und Trotzphasen
Emotionalen Stürmen, Wutanfällen und Toben
Quengeln und dem starken Bedürfnis nach Aufmerksamkeit
Herausforderungen beim Schlafen, Essen oder Trockenwerden
Aufbau von Selbstvertrauen und dem Lösen von Ängsten
Bewältigung von Geschwisterrivalität
Trennungsangst (z.B. beim Kita- oder Schulstart)
Begleitung nach traumatischen Erlebnissen
Wir haben zudem eine grosse Gemeinschaft von Eltern und Instruktorinnen, die diese Werkzeuge mit kleineren Anpassungen bei neurodivergenten Kindern anwenden.
Für welche Altersgruppen ist Hand in Hand Parenting geeignet?
Für jedes Alter! Ob dein Kind 3 Monate, 3 Jahre oder bereits 13 Jahre alt ist. Und ganz gleich, ob du selbst Mutter oder Vater bist oder beruflich mit Kindern arbeitest: Diese Werkzeuge helfen dir weiter!
Die meisten Eltern stossen zu uns, wenn ihr Kind aus dem Babyalter herauswächst und plötzlich einen sehr starken eigenen Willen entwickelt. Doch wir erleben immer wieder unglaublich schöne Entwicklungen und echte Durchbrüche bei Kindern und Jugendlichen in jedem Alter.
Es ist wirklich nie zu spät, um mit diesen Werkzeugen anzufangen und den Familienalltag spürbar ins Positive zu verändern!
Was sind die fünf Werkzeuge und wie funktionieren sie?
Das Herzstück von Hand in Hand Parenting bilden fünf konkrete Werkzeuge.
Ihr gemeinsames Ziel ist es, die tiefe Verbindung zwischen dir und deinem Kind zu stärken. Du kannst sie jeden Tag ganz natürlich in euren Familienalltag integrieren – gerade dann, wenn es mal wieder besonders schwierig wird.
Diese Werkzeuge helfen dir, die Gefühlswelt und das oft herausfordernde Verhalten deines Kindes besser zu verstehen. Sie geben dir praktische und liebevolle Wege an die Hand, wie du reagieren und dein Kind dabei unterstützen kannst, sich zu regulieren, wieder mit dir zu kooperieren und unerschütterliches Vertrauen aufzubauen.
Special Time – Wunschzeit
Dabei widmest du deinem Kind für eine kurze, festgelegte Zeit deine volle und liebevolle Aufmerksamkeit. Du lässt dein Kind komplett die Führung übernehmen und erhältst so einen wunderbaren Einblick in seine Welt. Durch die Wunschzeit stärkst du das Sicherheitsgefühl deines Kindes und eure tiefe Verbindung zueinander. Im Gegenzug wird dir dein Kind im Alltag wieder viel leichter seine Kooperation schenken.
Staylistening
Weinen und Toben sind natürliche Wege des Körpers, um Stress abzubauen. Indem du in diesen Momenten als sicherer Anker an der Seite deines Kindes bleibst, hilfst du ihm bei diesem Prozess der Heilung. Du zeigst ihm damit auf tiefster Ebene, dass es nicht allein ist – auch dann nicht, wenn es ihm gerade richtig schlecht geht.
Setting Limits – Liebevolle Grenzen setzen
Wenn die Verbindung unterbrochen ist oder sich Gefühle aufgestaut haben, zeigt sich das oft in herausforderndem Verhalten. In solchen Momenten brauchen Kinder unsere Hilfe in Form von liebevollen, aber klaren Grenzen. Indem du deinem Kind dann Nähe, Zuwendung und dein ehrliches Zuhören anbietest, kann es seine innere Balance wiederfinden – und aus sich heraus wieder mit dir kooperieren.
Playlistening
Durch Lachen lösen sich Anspannung, Stress und Angst in uns auf. „Folge dem Lachen!“ – wiederhole also genau das, was das Lachen bei deinem Kind gerade hervorgerufen hat. Spiele mit deinem Kind und nimm dabei ganz bewusst die unbeholfene, unterlegene oder schwächere Rolle ein. So hilfst du ihm auf wunderbare Weise dabei, durch das gemeinsame Lachen eigene Unsicherheiten und aufgestaute Gefühle spielerisch zu verarbeiten.
Listening Partnerships – Gegenseitiges einfühlsames Zuhören
Dieses Werkzeug ist ganz allein für uns Eltern da. Es hilft dir, all die Sorgen, die Frustration, den Stress und die Traurigkeit liebevoll aufzufangen, die der Familienalltag manchmal mit sich bringt. Indem dir jemand wertfrei und einfühlsam zuhört, kannst du durchatmen und danach gestärkt, entlastet und mit neuer Energie zu deinen Kindern zurückkehren.
Wie sieht das in der Praxis aus?
Die fünf Werkzeuge funktionieren auch einzeln wunderbar, entfalten ihre volle Wirkung aber erst dann, wenn du sie miteinander kombinierst – denn zusammen bilden sie ein starkes System.
Schauen wir uns ein Beispiel an, um zu verdeutlichen, was das im Familienalltag bedeutet. Nehmen wir an, dein Kind zögert das Schlafengehen Abend für Abend hinaus:
Zuerst teilst du in deiner Listening Partnership mit, wie verärgert und gestresst du über diese abendliche Situation bist. Tust du das nicht, überträgt sich deine innere Anspannung oft auf die Schlafenszeit, was die Situation meist nur noch verschlimmert. Wenn du deine negativen Gefühle loslassen und durch die aufmerksame Verbindung mit deinem Listening Partner neue Kraft tanken konntest, bist du bereit für den Abend.
Du startest die Abendroutine mit 10 Minuten Wunschzeit, bei der dein Kind komplett die Führung übernehmen darf. Das schafft ein grosses Gefühl von Sicherheit und Verbundenheit und weckt in deinem Kind die natürliche Bereitschaft zur Kooperation.
Falls sich dein Kind danach trotzdem weigert, ins Bett zu gehen, nutzt du das Werkzeug der liebevollen Grenzen, um es sanft, aber bestimmt zur Ruhe zu führen: „Schatz, es ist jetzt Zeit, ins Bett zu gehen.“
Wenn dein Kind daraufhin aufgeregt oder wütend reagiert, hilft dir das Zuhören (Staylistening). Indem du einfach da bist und sein Weinen begleitest, unterstützt du es dabei, diese starken Gefühle zu verarbeiten. Wenn all die Anspannung und Frustration des Tages abgebaut sind und du die Lücke mit deinem liebevollen Zuhören gefüllt hast, ist dein Kind in der Regel bereit fürs Bett.
Falls jedoch kleine Ängste es weiterhin daran hindern, sich von dir zu trennen, ist es an der Zeit für das Playlistening. Du könntest zum Beispiel so tun, als hättest du selbst überhaupt keine Lust aufs Bett, würdest dich aber total tollpatschig im Duvet verheddern, worüber dein Kind herzlich lachen kann. Durch das gemeinsame Lachen verschwinden langsam auch die allerletzten Unsicherheiten, die es noch wachhalten.
Das Kind fühlt sich nun tief mit dir verbunden und kann sich schliesslich friedlich und geborgen dem Schlaf hingeben.