Mein Weg…
Je älter ich werde, desto weniger glaube ich an Zufälle...
Es ist, als würde mich das Leben (oder ich mich selbst?!) genau an die Orte führen, an denen ich noch heilen darf.
Ich wollte nie einen Beruf haben, der etwas mit Kindern zu tun hat. Ich konnte mir nie vorstellen, dass ich mich irgendwann intensiv mit Menschen beschäftigen würde. Ich hätte nie gedacht, dass ich irgendwann vor anderen Menschen sprechen oder Blogartikel und Beiträge für sie schreiben würde. Ich liebe meine Muttersprache und hätte nie gedacht, dass ich meine tiefsten Gedanken einmal in einer Fremdsprache ausdrücken müsste.
Und doch bin ich hier...
Es ist, als würde mich mein Weg ganz bewusst zu meiner eigenen inneren Heilung führen. Als würde mir das Leben ständig zeigen: „Hier, genau hier hast du noch viel zu tun…“
Was hat mich auf diesen Weg geführt?
Traurigkeit. Traurigkeit darüber, dass ich viel wertvolles Wissen für meine eigenen Kinder erst zu spät entdeckt habe und es bei ihnen nicht mehr von Anfang an anwenden konnte. So habe ich zum Beispiel die Emmi-Pikler-Pädagogik erst dann ausführlicher studiert, als meine Kinder schon keine Kleinkinder mehr waren. Ich wünsche mir so sehr, dass andere Eltern diese wertvollen Informationen, die es da draussen in der Welt schon längst gibt, viel früher bekommen. Damit sie anders mit ihrem Kind umgehen und ihren Alltag etwas leichter und freudvoller erleben können.
Wunsch. Die Art und Weise, wie wir mit unseren Kindern umgehen, hat sich im Vergleich zu früheren Generationen grundlegend verändert. Unsere Generation wird oft als "Cycle Breaker" (Musterbrecher) bezeichnet. Ganz viele Eltern möchten ihre Elternschaft heute viel bewusster leben. Sie wollen die alten Muster hinter sich lassen, finden aber oft die neuen, richtigen Wege noch nicht. Ich wünsche mir von Herzen, dass dieses bewusste, einfühlsame Handeln so viele Kinder wie möglich erreicht.
Überzeugung. Ich bin mir ganz sicher, dass es neue, gute Wege gibt. Wenn wir die Bedürfnisse und die Funktionsweise des Nervensystems unserer Kinder – und auch unsere eigenen – wirklich verstehen, dann können wir tatsächlich anders handeln und unseren Familienalltag so viel schöner erleben. Ich glaube fest daran, weil ich es selbst erlebt habe.
Unterstützung. Genau die habe ich in den ersten Jahren überhaupt nicht gehabt. Ich stand mit meinem Kind, mit all meinen Fragen und Unsicherheiten praktisch alleine da. Hätte ich damals jemanden oder eine kleine Gruppe anderer Eltern als Rückhalt hinter mir gehabt, die mich unterstützt und meine Fragen beantwortet hätten, wäre so vieles ganz anders verlaufen. Diese Unterstützung möchte ich heute anderen Eltern anbieten.
Verbindung. Obwohl ich sehr introvertiert bin und sehr gern alleine in meiner Kuschelecke ein Buch lese, sehne ich mich immer wieder nach tiefen Verbindungen zu Gleichgesinnten. Echte Verbindung ist unser allerwichtigstes Bedürfnis. Wir alle wünschen sie uns, denn es löst ein so wunderschönes, warmes Gefühl in uns aus, wenn wir uns mit anderen wirklich verbunden fühlen.
Sinnhaftigkeit. An unserem eigenen inneren Wachstum zu arbeiten und unsere Kinder achtsamer ins Leben zu begleiten, betrachte ich als das wirklich Wertvolle. Es gibt wohl kaum etwas Sinnvolleres auf unserem Planeten, als mental gesunde, resiliente, selbstbewusste und glückliche Kinder grosszuziehen – damit es uns allen besser geht.
Hand in Hand Parenting hat mir viele Gedanken mit auf den Weg gegeben, die mich für immer begleiten werden. Der für mich wichtigste davon hat meine Handlungen anderen Menschen gegenüber schon unzählige Male in eine positive Richtung gelenkt. Er hat mich aus meiner tiefsten Wut geholt. Und er hat mich selbst an jenen Morgen zum Aufstehen bewegt, an denen ich alles sehr schwarz gesehen habe:
„Jeder Mensch ist von Natur aus gut. In jedem Moment seines Lebens gibt er das Beste, was er kann. Wie wir handeln, hängt immer davon ab, welche Informationen und welche Unterstützung wir gerade zur Verfügung haben. Auch wenn ein Mensch etwas Schlimmes getan hat, dann nur, weil er nicht die richtige oder nicht genügend Unterstützung bekommen hat, um seine tiefen Verletzungen und die daraus entstandenen Gefühle zu heilen.“
IFS (Internal Family Systems), ein therapeutischer Ansatz, vertritt einen ganz ähnlichen Gedanken. IFS besagt, dass unsere Persönlichkeit aus mehreren verschiedenen inneren Anteilen und einem inneren „Selbst“ besteht. Und auch diese Anteile haben immer nur positive Absichten für uns – selbst dann, wenn ihr Handeln auf den ersten Blick nicht danach aussieht.
Ist dieser Gedanke nicht wunderschön? Und wie wunderbar greifen diese beiden Ansätze ineinander?
Nachdem ich die Ausbildung zur Hand in Hand Parenting-Familienbegleiterin abgeschlossen hatte, wollte ich unbedingt noch weiter lernen und mich weiterentwickeln. Ansätze, die mich in den letzten Jahren sehr geprägt haben und die ich auch in meinen Kursen und Begegnungen oft erwähne, sind vor allem IFS, die Schematherapie, die Polyvagaltheorie, die emotionsfokussierte Therapie (EFT), Aware Parenting und die Emmi-Pikler-Pädagogik. Zurzeit befinde ich mich zudem in der Ausbildung zum IFS-Coach.
Die allergrösste Freude bereitet es mir (neben den schönen Momenten mit meinen eigenen Kindern), wenn ich bei anderen Eltern genau diese „Aha“-Momente sehe, die ich damals selbst erleben durfte. Je mehr ich von diesem Wissen weitergeben kann, desto glücklicher bin ich…